Pressebericht TAH 8.5.2018

Spitzenkonzert mit Saxophon-Duellen

„The Toughest Tenors“ mischen den Jazz-Club auf

(ez) Wenn sich Jazzmusiker eine „Battle“ liefern, kommt keiner zu Schaden und alle haben Vergnügen daran. In der Tradition der 50er Jahre, wo solche „Battles“ zwischen mittlerweile legendären Saxophonisten gängige Praxis waren, brachte die Band das Publikum rasch auf seine Seite. Die „Battle“, das ist: ich habe den längeren Atem, ich kann die Dissonanzen besser herausstellen, ich baue mehr Verzierungen ein, mein Saxophon kann besser röhren, mein Saxophon kann weicher klagen, und was sonst noch alles so möglich ist mit diesem Instrument. Zwei stilistisch unterschiedlich gelagerte Tenorsaxophonisten, Bernd Suchland und Patrick Braun, und eine Rhythmussektion mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug boten ein wirklich einzigartiges Klangerlebnis. Dan-Robin Matthies, Lars Gühlcke und Ralf Ruh bekamen für ihre ausgefeilten und mitreißenden Solopartien ebenfalls viel Applaus. 

In dunklem Zwirn, mit Schlips und Hut trat das Berliner Quintett auf die Bühne, ihr erster Auftritt hier war 2004, der zweite vor knapp zehn Jahren. Mit „Hey, Lock“ von dem Tenorsaxophonisten Eddie „Lockjaw“ Davis begann der Abend gleich mit vollem Tempo, danach folgte der Titel „Why was I born“, angeblich die Frage, die sich ein Jazzmusiker durchaus öfter stellt. Von der leider fast vergessenen Posaunistin Melba Liston stammte der sehr gefühlvolle Titel „Melba’s Mood“. Auch Balladen bot das Programm, so „What is there to say“, wo der Pianist in einem langen Solo seine ganze Fingerfertigkeit beweisen konnte, der Drummer hielt sich zurück und benutzte nur die Besen.

Beim dritten Set dann folgte man, so die Ansage von Bernd Suchland, der guten Regel „Beginne mit einem Blues und ende auch mit einem“. Also stand am Anfang „Gliding along“ von Eddie Barroso mit einem fulminanten Kontrabass-Solo – atemlose Stille im Saal - und am Ende „A bit of heaven“ von Curtis Fuller, in dem noch einmal jeder Musiker ein Solo spielte. Count Basie steuerte das Stück „The King“ zum Programm bei, das er einem Tenorsaxophonisten seiner Zeit gewidmet hatte. Die beiden Saxophone umgarnen sich freundlich, streuen einige Widersprüche ein, vertragen sich wieder, während der Bassist im Hintergrund Schwerstarbeit leistet. Natürlich applaudierte das komplett begeisterte Publikum so lange, bis die Band für „Blue lights“ als Zugabe zurück auf die Bühne kam. Und wer an diesem Samstag lieber auf der Terrasse beim Grill gesessen hat, darf sich gerne sagen „Verflixt, ich habe ein wirklich großes Konzert versäumt“.