Pressebericht JCH 17.2.2019

Blues solo auf zwölf Saiten

Gitarrist Marty Hall begeistert Gäste im Jazz-Club

(ez) Django Reinhardt und Marty Hall – ihr Handicap war und ist es, nach einem Unfall mit nur drei Fingern Gitarre spielen zu müssen und es auch zu meistern. Swing der eine, Blues der andere. Wer nicht hinsah und sich auf das Zuhören konzentrierte, erlebte einen detailverliebten mitreißenden Bluesgitarristen, dessen Spiel ebenso virtuose Bassläufe, Backbeats und Akkorde, wie hingetupfte zarte Melodien und kräftige erdige Klänge bot.

Marty Hall begann den Abend im alten Bahnhof mit „Rock me baby“, er spielte traditionelle Titel etwa von Duke Ellington und Willie Dixon, auch das bekannte „Georgia on my mind“, dazu verschiedene Eigenkompositionen mit teils hintersinnigen Texten. Nach der Frage ins Publikum „Is anybody depressed?“ wurde als Gegenmittel gleich ein alter Countrysong angeboten – der Text ein wenig traurig, die Musik aber trotzdem fröhlich und gut gegen miese Laune: „Green green grass of home“. Viele Titel passten in die Kategorie „mit Wiedererkennungswert“, so auch ein Song von 1969, der das Schicksal eines Soldaten aus dem amerikanischen Bürgerkrieg beschreibt und bei uns dann Anfang der 70er von Juliane Werding unter dem Titel „Am Tag, als Johnny Kramer starb“ bekannt gemacht wurde.

An diesem Abend konnten die Gäste einen Gitarrenkünstler der Extraklasse auf der Bühne im alten Bahnhof erleben und das angenehme Gänsehaut-Feeling haben wohl alle verspürt. Da ist gut nachzuvollziehen, dass Marty Hall, der eine Zeitlang auch in Tschechien lebte und arbeitete, als bisher einziger Künstler in zwei aufeinanderfolgenden Jahren beim Jazzfestival in Prag auftreten durfte. Der wunderbare Abend in Club endete mit einem Song, den Nat King Cole gespielt hat, auch Frank Sinatra und den nun hier Marty Hall interpretierte: „Fly me to he moon“. Nach dem Auftritt war noch genügend Zeit, mit dem Künstler zu plaudern, eine Gelegenheit, die sich viele Gäste nicht entgehen ließen.

Das nächste Konzert im Jazz-Club bringt Irish Folk mit dem Quartett „The Cluricaune“ am 8. März um 20 Uhr. Eine Woche darauf folgt am 16. März ein Sonderkonzert mit „Fingerstyle“-Gitarrist Michael Diehl unter dem Motto „Catch the spirit“, vor dem Konzert ist von 15-18 Uhr ein Gitarrenworkshop (Anmeldung direkt unter blueser@t-online.de).