29.5.2014 


Die Ballade von der Linde und ein Treffen“ mit dem Fisch

„Maohl’s Gift“ – Modern Jazz als musikalisches Geschenk aus Wien

(ez) „Jazz muss gar nichts, darf aber alles!“ So mitreißend frisch und frech, melodisch und kratzbürstig, swingend und tanzbar, so rockig jung und kraftvoll ist moderner Jazz schon lange nicht mehr auf der Bühne im Jazz-Club dargeboten worden. "Maohl’s Gift" aus Wien hatte Eigenkompositionen des Bandleaders und Saxophonisten Markus Ohler auf dem Programm und auch einige Titel aus der Feder des Gitarristen H.P. Freudenthaler.

Der Schlagzeuger Hubert Bründlmayer, der auch einen Titel beisteuerte und Bernd Klug mit seinem Kontrabass sind die zweite Hälfte des Quartetts. Alle vier Musiker sind exzellente und virtuose Solisten, sie stehen gleichberechtigt im Zusammenspiel der Band, und es ist schwer zu sagen, wer am meisten überzeugte. Der Abend begann mit einem ruhigen Stück „Contrapez“, leise Läufe des Saxophons, ein zartes Gitarrensolo, ein anfangs fast flüsterndes Schlagzeug, der Bass setzte Tupfen. Ganz anders dann der „Blue in the Phry“, leicht orientalisch klingend wegen der verwendeten phrygischen Tonleiter, kraftvoll und eben richtig schön bluesig. Die Titel spiegeln den Einfallsreichtum wieder: von „Meat the Fish“, über „Holiday Inn Cognito“, „Spinne“ und der Ballade „Linde“ bis zu „Z“, dem letzten Stück des Abends.

Es gab fast endlose wilde Gitarrensoli, meditative Bass-Partien, mal melancholische und mal kraftvolle Saxophonklänge, ein wohldosiertes Schlagzeug. Die ausgewogene Mischung von heftig dynamisch raschen Stücken und eher zurückhaltenden Klängen, von Dialogen und Soli der Instrumente im Kontrast zum kompletten Sound der Band fand sehr viel Beifall. Die offensichtliche Spielfreude der vier jungen Musiker, ihr musikalischer Ideenreichtum, ihr körperlicher Einsatz auf der Bühne und ihr eigenwilliges Konzept in Sachen Jazz haben das Publikum am letzten Dienstag überzeugt und einfach mitgerissen. Um einen Gast zu zitieren: „Leute, wer fürchtet sich jetzt noch vor Modern Jazz?“