18.9.2016

Pressebericht Jazz-Club

Jazzfestival vielseitig und hochkarätig besetzt

Zwei Spielorte – zwei außergewöhnliche Bands am Samstag


(ez) Das 27. Jazzfestival des Holzmindener Clubs bot eine breite Auswahl an Bands und zeigte einmal mehr, wie vielfältig der Jazz ist. Zwei Spitzenbands am Samstag, im Schloß Bevern und im alten Bahnhof, waren deutlich der Höhepunkt, aber die anderen Tage boten gleichfalls genug an Klängen und Eindrücken.

Am Donnerstag spielte (der TAH berichtete) erst die Streetband und dann Caro Josée mit ihrer Band. Der Freitag begann mit einem Auftritt des „Querbeet-Orchesters“ mit Banjo, Akkordeon, Kontrabass und Cajon - sehr launisch, bekannte Melodien, tanzbare südamerikanische Rhythmen, nur an ihren Jazz-Akzenten müssen die Musiker vielleicht noch etwas feilen. Nach der Pause übernahm die Sleepy Town Jazzband souverän das Ruder und nun war der Jazz voll da. Oldtime, Dixieland und klassischer Jazz und ein Überraschungsgast am Piano. Dirk Raufeisen, Stargast für Samstag, stieg kurzentschlossen bei der Sleepy Town Jazzband mit ein und spielte einen Abend lang begeistert alten Jazz. „So habe ich angefangen vor nicht ganz 30 Jahren und es macht immer noch Spaß.“ Auch die Hausband des Clubs war überaus gut drauf und lieferte eins ihrer besten Konzerte überhaupt mit vielen glänzenden Soli. Fast endloser Applaus gegen Mitternacht – Freitag zu Ende.

Nur wenige Jazzfreunde nutzten am Samstag die Möglichkeit, mit dem Shuttle-Bus nach Bevern zum Konzert und wieder zurück zu fahren. Klaus-Volker Kempa für den Freundeskreis Schloß Bevern und Wilfried Steinmetz für den Jazz-Club begrüßten die Gäste in der Schloßkapelle zum Konzert des Trios Kordes-Tetzlaff-Godejohann unter dem Motto „Bach and More“. Eigentlich hätten sämliche Klavierschüler des Landkreises anwesend sein müssen, um zu hören, was man mit Bachs Kompositionen alles anfangen kann. Bach „groovt“, das fanden ehedem ja schon Jacques Louissier und Oscar Peterson. Und das Trio ist da ganz ihrer Meinung. Die virtuosen Adaptionen machten deutlich, was auch heute noch die Jazzer so an Johann Sebastian und seinen Kompositionen reizt. Der Bass führt, das Piano malt und improvisiert, das Schlagzeug akzentuiert. Perfekt abgestimmt waren der Wechsel von Solopassagen und Trio-Zusammenspiel. Da genügte ein Blick von Musiker zu Musiker. Die Freiheiten und Feinheiten der Improvisation, die schon der alte Meister zu schätzen wusste, haben die Zuhörer zu Beifallsstürmen hingerissen. Außer Bach zeichneten noch Abdullah Ibrahim und die schon erwähnten Jacques Loussier und Oscar Peterson für die Titel verantwortlich. Natürlich durfte das Trio nicht ohne Zugaben gehen, darunter „Somewhere over the Rainbow“, wo unerwarteter Weise das Schlagzeug die Melodie spielte. Ein grandioses Konzert voller Klangfülle, das mehr Zuhörer verdient hätte.

Teil zwei des Abends begann mit einem flotten, swingenden „After you’ve gone“ des Trios „Two For One“, bestehend aus dem Pianisten Dirk Raufeisen, Lindy „Lady Bass“ Huppertsberg am Kontrabass und Carola Grey am Schlagzeug, genannt auch „Noisy Mama“. Swingender tanzbarer Jazz, sich förmlich in die Ohren schlängelnde Melodien, tragische Balladen – das Trio zog alle Register. Mächtige Akkorde, brillante Technik und wirbelnde Läufe auf den Tasten zeichnen das Spiel von Dirk Raufeisen aus, er konnte von Anfang an die Zuhörer mitreißen. Das Repertoire reichte von „God bless the child“ von Billy Holiday – gesungen von allen dreien – über „Come together“ von den Beatles, über „Route 66“ und Gospel bis zu Rock’n’Roll, Boogie und dem in rasendem Tempo vorgetragenen Titelsong aus „Bonanza“. Am Ende des Abendsholte das Trio noch Wilfried Steinmetz und seine Klarinette auf die Bühne und es gab eine Mini-Jamsession.

Der Jazz-Frühschoppen am Sonntag brachte wie immer viel Gutes für Ohren und Magen, Zum Auftakt marschierte noch einmal die Streetband herein und erfreute die Zuhörer. Zum Mitsingen lud die Moritat vom Massenmörder Harmann ein und die Hymne auf ein heimisches Bier nach der Melodie „Maryland, my Maryland“. Das Gabriela Koch Quartett ist erfreuliche Neuentdeckung und die Band sollte nach Meinung der Zuhörer unbedingt wieder eingeladen werden. Am Piano Georg Rox, am Kontrabass Ingo Senst, am Schlagzeug Christian Schönefeld und dazu die ausdrucksstarke variationsreiche Stimme von Gabriela Koch, die vier jungen sympathischen Musiker eroberten sofort die Herzen der Jazzfreunde. Sanfte Balladen, alte Jazz-Standards, lateinamerikanische Rhythmen – das Zuhören war ein Genuß.

Zum Abschluss des Frühschoppens – da schon eher ein Spätschoppen – kam „Jazz-Connection“ auf die Bühne. „Don’t get around“, „All of me“, „It’s wonderful“ und andere bekannte Titel wurden gespielt. Der Sound der Band wird vom Saxophon (Siegfried Scholz) dominiert, aber auch die Gitarre (Tarek Fahmi), das Piano (Eberhard Schneider) und der Bass (Thomas Schmidt-Leisler) spielten ausgefeilte Soli. Für den rhythmischen Background sorgte Thomas Schnarrenberg am Schlagzeug. Der Schlussapplaus war herzlich und andauernd. Und dann waren vier Tage Jazzmarathon erst einmal Geschichte.