Pressebericht TAH 18.09.2018

Zwischen Dixieland und rockigen Reminiszenzen

Drei Tage Hörgenuss für alle Freunde des Jazz

(ez) Musizierend einmal rund um unseren schönen Marktplatz und dann weiter durch die Stadt zum alten Bahnhof – die Streetband Holzminden spielte am Freitag ab halb sieben zum Auftakt des 29. Jazz-Festivals und tat allen kund, was an diesem Wochenende Sache war. Im Club wartete vor zahlreichem Publikum schon die „Sleepy Town Jazzband“, um den restlichen Abend zu gestalten.

Clubpräsident Wilfried Steinmetz überbrachte die Grüße und guten Wünsche des Bürgermeisters zum Gelingen des Festivals. Der „Royal Garden Blues“ stand am Beginn des Abends, der dann später mit dem beliebten Titel „Oh, when the saints“ endete. Und dazwischen erklangen alle die Lieblingsstücke der anwesenden Jazzfreunde. Die Band trat mit dem jüngsten Trompeter auf, der je in dieser Formation gespielt hat: Jens Buschenlange, Studierender an der Musikhochschule Osnabrück, war für den erkrankten Trompeter der Band eingesprungen und harmonierte bestens mit seinen deutlich älteren Kollegen. Er setzte einige frisch-freche Akzente und brachte in dem melancholischen Stück „Do you know what it means to miss New Orleans“ ein brilliantes Solo. Er darf gern mal wieder mitspielen, so die einhellige Meinung des Publikums, das die gesamte „Sleepy Town Jazzband“ mit langem herzlichen Applaus verabschiedete.

Am Samstag gehörte die Bühne zu Anfang zwei Banjos, einer kleinen Trommel und einer Klarinette, und die mittlerweile versierten Teilnehmer der vergangenen Workshops stimmten die Zuhörer langsam ein. Bewiesen wurde, dass ein Banjo durchaus als Melodieinstrument zu gebrauchen ist und ein wenig zu Unrecht häufig ein Hintergrunddasein fristet.

„Shiny stockings“ von Count Basie war das erste Stück, das Pete York und „Spangalang“ spielten. Der Bandname, so die Erklärung, zeigt lautmalerisch drei Schläge auf ein Becken. Mit Claus Koch am Saxophon, Andi Kissenbeck an der Orgel und der Sängerin Nina Michelle stand eine mitreißende Truppe auf der Bühne, es gab viele ausgefeilte Soli der beiden Instrumentalisten. Der zweite Titel des Abends griff gleich weit in den musikalischen Werdegang von Pete York zurück – „Keep on running“ war in den 60ern der heißeste Hit der Spencer Davis Group. Mit Humor führte der Altmeister in gemischt deutsch-englischen Ansagen durch das vielseitige Programm – vom „Kansas City Blues“ und „The man I love“ über „How high the moon“ mit einer Duettpartie von Saxophon und Scat-Gesang bis zum treibenden Rhythmus von „Sing, sing, sing“. Standing ovations! Dann der Titel „Cute“, gesungen und gepfiffen von Pete York, gefolgt von „Caravan“ im Latin-Rhythmus mit dem ganz großen Schlagzeugsolo. Es stellte sich heraus, dass ein Schlagzeug durchaus singen kann, es flüstert mal und tobt danach. Nicht enden wollender Beifall, und noch einmal wurden die Gäste mit „Keep on running“ als Zugabe von den Plätzen gescheucht.

Frühschoppen am Sonntag, das heißt seit Jahren (meistens) Sonne, Jazz und Kulinarisches im Garten. „Heye’s Society“, die sechs Herren aus Bayern – Moment, einer ist aus Baden-Württemberg – hielten sich an die Devise, dass Jazz gut für Leib und Seele ist, und das schon seit mehr als Hundert Jahren. Viele sehr alte Titel wurden gespielt, so „Panama“ von 1912, „The Entertainer“ von Scott Joplin, „Makin‘ runs“ von Trompeter Buddy Bolden aus der Zeit um 1900. Nie wurde der Titel von ihm aufgenommen, erst ein Bandkollege hat ihn in den 1940er Jahren aus dem Gedächtnis aufgeschrieben. „New Orleans Function“, ein Trauermarsch, leicht sakral am Anfang, mitreißend swingend danach, sehr gefühlvoll der „Creole love call“, „Stardust“ als Paradestück für Pianisten, „Eh là-bas“ zum Mitsingen und als Zugabe der „Tiger Rag“, den die Original Dixieland Jazzband 1917 spielte. Das Konzert war ein gelungener Abschluss der 29. Jazz-Festivals und rundum zufrieden konnte das Publikum nach Hause gehen.