Pressebericht TAH 22.3.2018

Hommage an den Boogie-Woogie

Michael Kaeshammer Trio reißt Zuhörer im Jazz-Club mit

 (ez) Ein Wirbelwind am Klavier war angekündigt, ein Orkan mit Blitz und Donner ist gekommen, hat aber auch ein lindes sanftes Frühlingslüftchen mitgebracht. Gleich mit den ersten Takten der „Bourbon Street Parade“ zogen am Sonntagabend der Pianist Michael Kaeshammer, Konrad Herbolzheimer am Kontrabass und Stefan Dahm am Schlagzeug die Zuhörer im rappelvollen Club ganz in ihrem Bann.

 Für den Boogie-Woogie, ein Genre des Blues, das in 20er Jahren populär wurde, ist das Piano das charakteristische Instrument, gespielt mit raschen starken Anschlägen und rollenden Akkorden. Auch wen sonst nicht viel mit Jazz oder Blues verbindet, kann sich diesem mitreißenden  Rhythmus einfach nicht entziehen. In dem großen Pianosolo bei „Tico Tico“, einem traditionellen lateinamerikanischen Titel, flogen die Finger nur so über die Tasten. Technische Meisterschaft, Energie, Dynamik, ein Feuerwerk an Akkorden, dann wieder Poesie und verhaltenes Hinhauchen von Tönen – der kanadische Pianist hat bei seinem Auftritt auf einen Schlag rund einhundert neue Fans gefunden.

 „Mardi Gras“ brachte einen erfrischenden Dialog zwischen Piano und Kontrabass, ein Frage- und Antwortspiel nach Noten, und Kaeshammer nutzte auch den hölzernen Korpus des Klaviers und des Basses sowie den eigenen Brustkorb und die Schenkel als Percussion-Instrumente, frei nach dem Motto: es gibt nichts, was nicht musikalisch zu nutzen ist. „Sweet Gerogia Brown“ kam in einem wahnwitzigen up-Tempo daher, mit einem langen Bass-Solo und viel Applaus. Auch Rock’n’Roll stand auf dem Programm und in der Enge zwischen den Tischen begannen einige Gäste zu tanzen.

 Gegen Ende des Konzerts animierte ein Medley die Zuhörer zum leisen Mitsingen, „Ain’t she sweet“ war dabei, auch „On the sunny side of the street“ und dazwischen schien auch noch Bach ein paar Takte beigesteuert zu haben. Drei Zugaben forderte das total begeisterte Publikum ein, erneut ein Medey mit „Blueberry Hill“ und „You make me cry“, einen wilden Boogie und zum Abschluss „Georgia on my mind“, ganz zart, ganz versponnen, ganz verwunschen. „Die Interpretationen hängen auch von der Laune ab, jedes Konzert ist eine Art Unikat“, sagte Michael Kaeshammer nach dem Konzert.

Die nächste Veranstaltung im Jazz-Club ist das 5. Weserbergland Blues-Festival vom 20. – 22. April mit fünf Bands an zwei Abenden und einem Frühschoppen. Der Vorverkauf über Jazz-Club Holzminden, Täglicher Anzeiger und Stadtmarketing Holzminden hat begonnen.