17.10.2014

Alles Swing – oder was?

Wie Pop und Wiener Walzer zum Swingen gebracht werden

(ez) Swing – da denkt man üblicherweise an die großen Bigbands der 30er und 40er Jahre, vielleicht noch an die damals hierzulande aushängenden amtlichen Hinweise „Swing tanzen verboten“.

Dass die swingenden Möglichkeiten aber noch lange nicht ausgeschöpft sind, bewiesen am vergangenen Freitag der Saxophonist Thomas Walter Maria und seine Kollegen bei ihrem Auftritt im Jazz-Club. Neben klassischen Swingtiteln und Eigenkompositionen des Bandleaders standen auch zahlreiche Arrangements von ursprünglich nicht zum Swing gehörenden Songs auf dem Programm. Pop der 70er und 80er und Bossa, Grunge und Latin, Titel von Ray Charles, Stevie Wonder, Nirwana und Phil Collins, die Titelmusik zu der alten Fernsehserie Fred Feuerstein – dies und vieles mehr kam swingend daher und passte so auch perfekt.

„Thomas Walter Maria & Kapelle“ besteht aus fünf Musikern und zehn Instrumenten, es ist die erste eigene Formation des Bandleaders. Der ist auch für die große Anzahl von Instrumenten verantwortlich, denn er spielt Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon, dazu die selten gehörte, etwas kapriziöse Altklarinette und Querflöte. Zudem übernahm er den Gesang und die recht launige Moderation. Seine Kollegen Simon Harrer an der Posaune, Mohi Buschendorf am Kontrabass, Ludwig Buschendorf am Schlagzeug und Marius Moritz am Piano standen ihm an Virtuosität in den Solo-Partien und an offensichtlicher Spielfreude in nichts nach.

Als Hommage an Paul Kuhn, mit dem sich Thomas Walter Maria das Geburtstagsdatum teilt, gab des den „Pink Panther“, mit fliegendem Wechsel von Saxophon und Flöte. Die Zuhörer waren begeistert und sparten nicht mit Applaus. Ein „altes Stück, brandneu arrangiert“ und von der Band in dieser Form als Premiere aufgeführt war dann „Flying Home“ von Benny Goodman und Lionel Hampton mit einem wirbelnden Piano-Solo. Gleichermaßen eine Premiere „Tip Toe“, ein Bigbandstück arrangiert für Combo, mit so zahlreichen exakt gesetzten Pausen, dass ein Gast meinte, das sei eben die Kunst des Weglassens, und übrigens bestehe das Leben eh nur aus Pausen.

Drei lange Sets bot der Abend, ein überaus abwechslungsreiches Programm und da es als „demokratisches Konzert“ angekündigt war, durften die Zuhörer in der Pause abstimmen, welche zwei von sechs vorgeschlagenen Titeln sie als Zugabe wollten. Bis kurz vor Mitternacht hielten Musiker und Zuhörer durch, ehe man sich dann gemütlich an der Theke zu mehr oder minder fachlichen Gesprächen zusammenfand.