Pressebericht JCH 7.7.2019

Erfrischender Jazz-Cocktail : geschüttelt, nicht gerührt

„New Orleans Shakers“ begeistern wieder das Publikum


(ez) „Do you know what it means to miss New Orleans“ – der Schlusstitel des mitreißenden Konzertabends mit Torsten Zwingenberger und seinen New Orleans Shakers hätte ebenso gut als Motto für das ganze Konzert am Anfang stehen können. New Orleans zieht noch immer jung und alt an, gleich ob Musiker oder Zuhörer, und folglich präsentierte sich die Band generationsübergreifend: zwei altgediente Hasen, zwei deutlich jüngere Kollegen – eine bestens eingespielte, höchst virtuose Band voller Spielfreude. Neben Torsten Zwingenberger am Schlagzeug gehört der Klarinettist und Tenorsaxophonist Thomas l’Étienne zum Urgestein der Band, die Youngster sind der Pianist Jan Hendrik Ehlers und Oliver Karstens mit seinem Kontrabass.

„The Wolverine“ von Jelly Roll Morton, „I’m crazy about my baby“ von Fats Waller, dann ein brasilianischer Choro – älter als Ragtime und Jazz und sozusagen der New Orleansstil von Brasilien – „Amoroso“ geschrieben von dem Gitarristen Anibal Garotto. Thomas l’Étienne führte die Zuhörer charmant und detailreich durch das Programm. Er informierte mit einem Augenzwinkern, dass bekanntlich viele Komponisten gelegentlich Anleihen bei anderen Musikern machten, und so hat Charles Trenet die Anfangstakte von „I wish you love“ mal eben beim 1. Brandenburgischen Konzert von Bach „ausgeborgt“ und in den Jazztitel integriert. „Sentimental journey“ , vielen bekannt in der von Doris Day gesungenen Version, geriet zu einer akustischen Zugfahrt, der Schlagzeuger zauberte einfallsreich eine veritable Dampflok auf die Bühne, „Einsteigen bitte“ , ein Pfiff, die Räder begannen sich zu drehen und der Zug kam in Fahrt. Erst bei Erreichen des vollen Tempos stiegen die anderen Instrumente mit ein und als die Fahrt zu Ende gegangen war, jubelte das Publikum lauthals.

Für Klarinettenfreunde war der „Burgundy Street Blues“ von George Lewis der absolute Höhepunkt des Abends, das Spiel von Thomas l’Étienne ging tief ins Gemüt und sorgte für atemlose Stille im Raum. Neben viel traditionellem New Orleans Jazz und brasilianischen Rhythmen bot der Abend auch Rhythm’n’Blues made in New Orleans und Boogie Woogie mit Piano zu vier Händen. Ein befreundeter Musiker aus Göttingen, als Gast angereist, setzte sich mit ans Klavier und wirbelnd ging die Post ab. Zum Glück spielte auch der Kontrabass einige sonore Soli, manche Bassisten sind da eher geizig. Der Schlussapplaus hielt lange an und beim Abschied fragten etliche begeisterte Zuhörer „Und wann kommen die wieder in den Club?“