Pressebericht JCH 10.3.2019

Trinkfreudiger Kobold – musikalisch erlebt

Irish Folk lockt viele Zuhörer in den Jazz-Club

(ez) Schon seit der Zeit der Kelten ist Irland das Land der Mythen, Sagen und mystischen Wesen. Der „Cluricaune“ ist in der keltisch-irischen Mythologie ein verschmitzter kleiner Kobold, ein Unruhestifter. Er ist jederzeit zu Schabernack aufgelegt, hebt gern einen und sucht am liebsten Brauereien, Weinkeller und Pubs auf, wo er dann herumgeistert. Zahlreiche irische Pubs sind folglich nach ihm benannt.

Das Folk-Quartett „The Cluricaune“ aus Chemnitz konnte die Zuhörer von Anfang an in Bann schlagen. Erstaunlich, wie viele Liebhaber des Irish Folk es in Holzminden und Umgebung gibt, zu Kassenöffnung stand die Schlange der auf Einlass Wartenden bis auf die Straße. Und das Kommen hatte sich gelohnt. Ausgehend von der irischen Weisheit „Ein Fremder ist auch nur ein guter Freund, den man noch nicht kennt“ waren Gäste und Musiker rasch Freunde. Tom Helbich machte die launisch erklärenden Ansagen, blies fingerfertig und virtuos die Tin Whistles, schlug die Bodhran, die irische Rahmentrommel, und war bei den meisten Titeln auch der Sänger. Sven Fischer spielte Gitarre und irische Bouzouki, Friederike Hegemann die Fiedel und Rayk Neczas Gitarre und Dudelsack. Der irische Dudelsack hat einen größeren Tonumfang als der schottische und wird ausschließlich im Sitzen gespielt, was auch erklärt, dass die Iren nie mit Dudelsack in den Krieg gezogen sind, denn im Sitzen lässt es sich eher schlecht marschieren.

Es gab Stücke, deren Refrain die Gäste mitsingen konnten, Rhythmen zum gemeinsamen Stampfen und ein paar Tanzschritte wurden gelegentlich auch gewagt, denn irische Klänge gehen über Ohren und Herz direkt in die Beine. Die Vielfalt der Themen der Songs ging von „The Blackbird“ (Amselgesang leicht beschwipst), über „The rights of man“, „The star of County Down“ und „Paddy O’Brien’s Gig“ im 6/8tel Takt bis hin zu Seemannsliedern. Eins davon erzählte von „Billy Tailor“, der seine Liebste sitzen ließ und übers Meer zog, worauf sie sich nach längerem Warten als Matrose verkleidet auf die Suche machte. Lieder, Balladen, Tanzstücke, bodenständige Lyrik und auch Wortwitz - die drei langen Sets und die Zugaben boten einen überzeugenden Querschnitt durch den Irish Folk. Offensichtlich hatten sowohl die Musiker als auch die vielen Gäste ihre Freude an diesem langen Abend, an dem Fremde zu Freunden wurden.