Pressebericht JCH 2.6.2019

Modern Jazz – länderübergreifend und mitreißend

Ansgar Specht Trio wieder zu Gast im alten Bahnhof

(ez) Nach gut zwei Jahren gab es am Samstag ein Wiederhören mit Ansgar Specht und seinen Musikerkollegen. John Hondorp mit seiner Hammondorgel konnte aus Krankheitsgründen diesmal nicht dabei sein. An seiner Stelle war aus Belfast der junge Keyboarder Scott Flanigan angereist, den Drummer Markus Strohtmann gut kennt und für das Konzert gewinnen konnte. Bandleader und Gitarrist Ansgar Specht moderierte den Abend, gab Hintergrundberichte zu einzelnen Stücken und kleine Einblicke ins nicht immer einfache Musikerleben. Leider war die Zahl der Gäste eher überschaubar. Lag das nun am sonnigen Wetter oder dem Wochenende mit Brückentag – die Band hätte wirklich ein zahlreicheres Publikum verdient.

Der Abend begann mit dem Titel „Sugar“. Es folgte „Brown eyed girl“ von Van Morrison, mit dem zusammen Scott Flanigan schon verschiedentlich aufgetreten ist. „Road song“ von Wes Montgomery – alle Geschwindigkeitsbegrenzungen wurden missachtet, Orgel und Gitarre lieferten sich eine regelrechte Verfolgungsjagd, bevor das Stück ruhig ausklang. Wes Montgomery hat als Jazzgitarrist für viele Nachfolger Maßstäbe gesetzt, so auch für Pat Martino, dessen eher rasanter Titel „Lean years“ augenzwinkernd mit der Aufforderung „bitte anschnallen nicht vergessen“ angekündigt wurde. Deutlich sanfter klang danach eine Ballade, gespielt als Swing mit filigranen Orgelpassagen, und vor der Pause folgte noch ein Bebop aus der Feder von Sonny Rollins. Nach der Pause ein wenig Blues, „schließlich soll kein Jazzkonzert ohne Blues gespielt werden“ – das Gitarrensolo virtuos-dezent, leichte Untermalung vom Schlagzeug, die Orgel steigt mit Einzeltönen ein und gemeinsam streben alle drei dem Schlussakkord zu. Markus Strohtmann hatte auch eine Eigenkomposition mitgebracht - „Leave“ im Dreivierteltakt - und beim Solo hielt es ihn einfach nicht auf dem Hocker, er umrundete sein Instrument und bearbeitete es mit sichtlichem Vergnügen und viel Power von allen Seiten. Das brachte ihm anhaltenden Beifall ein.

Als Zugabe hatte der Drummer sich den Titelsong des Computerspiels „Leisure Suit Larry“ aus den 80er-Jahren ausgesucht, komponiert von Al Lowe. Ansgar Specht gab zu, den Song bei den Proben zuerst nicht gemocht zu haben, was möglichweise am Altersunterschied zu Markus liege. Nach langem Applaus forderten die Zuhörer daher ein weiteres Stück, das speziell ihm gefalle und bekam den Klassiker „Cry me a river“ von Arthur Hamilton. Es war ein überzeugender Konzertabend und alle Nicht-Anwesenden haben klar etwas verpasst.