Pressebericht TAH vom 21.09.2015

Jazzfestival glänzt mit zwei absoluten Ausnahmebands

Mit Twana Rhodes und Zed Mitchell präsentiert der Club zur 26. Ausgabe der Veranstaltung Außergewöhnliches


Holzminden (pd). Schon Gewohnheitssache. Im September, genauer, am dritten Wochenende praktisch als Herbsteinläutung steht Holzminden ganz im Zeichen des Jazz. Das mittlerweile schon zum 26. Mal im Jazz Club im alten Braunschweiger Bahnhof über vier Tage lang stattfindende Festival bot dafür einmal mehr alles, was diese Musikrichtung ausmacht: Spannende musikalische Ideen, begeisternde Vollblutmusiker und jede Menge Abwechslung. Mit zwei Topbands aus der Szene ließ sich der einzige in eigenen Räumen agierende Kulturclub Holzmindens auch diesmal für die renommierte Veranstaltung nicht lumpen.

Schon am Donnerstagabend hatte der auf allen wichtigen europäischen Bühnen bekannte Blues-Haudegen Zed Mitchell für ein erstes Ausrufezeichen gesorgt, nachdem die Streetband, mit einigen Akteuren unter anderem des Stahler Blasorchesters verstärkt, den musikalischen Schulterschluss mit der anderen Weserseite auf der Holzmindener Weserbrücke suchte (der TAH berichtete). Mitchell und seine Band hatten das Festival mit ihrem atmosphärisch dichten Bluessound schon einmal eindrucksvoll eingeläutet und im Verlauf des Abends unter Beweis gestellt, dass Jazz, Blues und auch Rock sich an ihren Grenzen deutlich überschneiden und deshalb in den mittlerweile fast 30 Jahre alten Clubräumen hervorragend aufgehoben sind.

Wem das Konzert zum Auftakt zu saitenlastig daher kam, der wurde dafür anderntags mit geballter Bläsermacht entschädigt. Der Sleepy Town Jazz Band gehört schon traditionell der Freitagabend, um der klassischen Variante des Jazz, dem Oldtime und Dixieland Stimme und Instrumente zu verleihen. Die ja mittlerweile mit Trompete (Peter Hein), Posaune (Hans Hävker), Klarinette bzw. Saxophon (Wilfried Steinmetz) und Tuba (Gerald Jakubus) wieder stark aufs atmungsaktive Spielgerät setzende Hausband des Clubs hatte sich für mehrere ihrer aus vielen wohlbekannten Standards der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestehenden Stücke einen Überraschungsgast mit auf die Bühne geholt. Jim Patterson, ansonsten eher den Freunden des Folks in der Region ein Begriff, übernahm mehrfach anstelle von Sänger und Gitarrist Georg Heiseke das Mikrofon und zeigte seine Qualitäten als Jazzinterpret. Mit seiner hellen, manchmal Vibrato andeutenden Stimme war der Schotte durchaus eine Entdeckung im ansonsten Altbewährten.

Höhepunkt aber, und dass nicht nur in Bezug auf die Zuschauergunst, war der Auftritt von Twana Rhodes am Sonnabend. Die in Berlin lebende Texanerin präsentierte mit ganz viel Gefühl und variantenreicher Stimme im gut gefüllten Club eine Mischung aus sanftem Jazz und Blues. Mit ihren Texten immer auf der Suche nach tieferer Bedeutung verstand es die charismatische Sängerin, zusammen mit ihrer Backgroundbegleitung Natascha Osterkorn den von ihr inhaltlich entworfenen Bildern eine ganz kongeniale Vertonung durch Gesang und Begleitung zu verleihen. „Krisenhafte Fröhlichkeit“ nannte die lyrische Sängerin das an einer Stelle lächelnd. Und so durfte man sich über eine kontemplative, sehr hörbare Mixtur aus Melancholie und eingängigem Pop in eine faszinierende Klangwelt entführen lassen, für die man sonst eher in Metropolen wie Berlin oder New York pilgern muss. Am Ende ging aber auch bei Twana und ihrer ansonsten sehr dezent begleitenden Band die Post ab, als sie mit ihren Interpretationen des Beatles-Hits „Eleanor Rigby“ und „Sunny“ die an sich schon offenen Herzen des Publikums vollends eroberten.

„Diese Musik ist dazu da, um Spaß zu haben“, lautete das Motto der Streetband am Sonntag. Die von Bandleader Wilfried Steinmetz auf der Bühne gemachte Aussage traf nicht nur für die zum Festival auf elf Musiker angewachsene Marchingband ins Schwarze, sondern auch aufs gut gelaunte Frühschoppen-Publikum. Denn das genoss den Vormittag mit „Down By The Riverside oder „Oh When The Saints“ im Ohr und einem Bier oder Leckerem vom Grill in der Hand sichtlich. Das 26. Jazz-Festival war trotz wieder einmal sehr abwechslungsreicher musikalischer Kost und hochkarätigen Bühnenakteuren mit rund 350 Besuchern an vier Tagen insgesamt etwas schwächer besucht als in den Vorjahren. Ist das für die Macher ein Problem? Mitnichten. „Wir haben diesmal das Glück gehabt, mit gleich zwei absoluten Ausnahmebands am Donnerstag und am Sonnabend an den Start gehen zu können“, kommentiert Wilfried Steinmetz die Resonanz. Mit dem gewohnt guten Publikum und solchen Bands, so der Clubpräsident, sei das Festival in jedem Fall positiv verlaufen.

Pressebericht TAH vom 19.09.2015

Zum Auftakt Blues: Saitenmagier Zed Mitchell begeistert Publikum

26. Jazz-Festival im alten Braunschweiger Bahnhof beginnt gleich mit Top-Act

Holzminden (pd). Grandioser Auftakt des 26. Jazz-Festivals im alten Braunschweiger Bahnhof! Nachdem die Streetband zusammen mit ein paar neu hinzugewonnenen Akteuren bereits am frühen Abend auf der Weserbrücke den traditionellen symbolischen Brückenschlag zwischen Holzminden und Höxter vollzogen hatte, ging es am Abend dann im Club gleich mit einem musikalischen Ausrufezeichen los. Zed Mitchell und seine Band eroberten mit ihrem facettenreichen Bluessound gleich die Publikumherzen im Sturm.

Schirmherr Jürgen Daul hatte die Weserbrückeneröffnung des viertägigen Jazzspektakels noch aus terminlichen Gründen verpasst, ließ es sich aber dafür am Abend nicht nehmen, den Clubverantwortlichen für großes ehrenamtliche Engagement zu danken. Gerade das Bemühen, die beiden Städte Höxter und Holzminden näher zusammenrücken zu lassen, sei mittlerweile ein großes politisches Anliegen auf beiden Weserseiten, betonte Holzmindens Bürgermeister in seiner kurzen Ansprache vor Konzertbeginn. Die Pionierarbeit auf kultureller Ebene, so Daul, habe der Jazz Club geleistet.

Ein Pionier in Sachen Blues betrat im Anschluss dann die Bühne. Zed Mitchell ist seit über 40 Jahren als Europas Musikbühnen unterwegs und hat als Studiomusiker für viele namhafte Größen gearbeitet. Und diese reichhaltige Erfahrung merkte man dem Sänger und Gitarristen an. Sowohl, was die Dramaturgie des Konzertes betrifft als auch in Bezug auf seine eigenen Kompositionen und seine virtuose Fingerfertigkeit zeigte der Vollblutmusiker, wie man es macht. Schon nach wenigen Songs ging Mitchell ganz auf Tuchfühlung mit dem Publikum, machte Scherze und präsentierte sich ganz als Künstler zum Anfassen. Er sei ja überhaupt nur Fahrer der Band, witzelte Mitchell, und Vater. Denn neben Schlagzeuger Peter Hensen und Bassist Andreas Reinhard stand auch Sohn Ted mit auf der Bühne, dessen Gitarrenkünste denen seines Erzeugers kaum nachstanden.

Dabei haftete der Art und Weise, wie die Band den Blues interpretierte eine ganz eigentümliche Note an. Der „Gitarrenmagier“ hat zweifellos einen ganz eigenen Stil, beginnt gern mit esoterischen verträumt klingenden Tönen, um dann Hall und Reverb-Effekte komplett auszuschalten und unvermittelt in einen mitreißenden Rhythmus wechseln. Dass erinnerte dann manchmal an David Gilmore, Carlos Santana oder am Ende sogar Jimi Hendrix. Und blieb letztlich doch ein ganz authentisch abwechslungsreicher Mitchell-Sound. Zu fortgeschrittener Stunde schalteten die vier Musiker dann auf eine härtere Gangart hoch und wurden rockiger, erdiger, schnörkelloser. Als Höhepunkt lieferten sich Vater und Sohn ein begeisterndes Gitarrensolo-Duell, so dass es das Publikum schließlich kaum noch auf den Plätzen hielt.

Nachdem gestern Abend die Sleepy Town Jazz Band wieder in traditionelle Jazzgefilde entführt hat, darf man heute Abend auf die in Berlin lebende Texanerin Twana Rhodes zu Recht gespannt sein. Einlass für das Topkonzert ist ab 19 Uhr im Club.

Vorberichterstattung

Eröffnet wird das diesjährige Jazzfestival wieder mit dem Marsch der Street Band Holzminden und der Marschband Höxter über die Weserbrücke.

Die Street Band Holzminden wurde ins Leben gerufen, nachdem die Stadt Holzminden im Jahr 2003 den Wettbewerb „Ab in die Mitte“ gewonnen hatte und eine Mobile Band gesucht war. Anlässlich der Feier dieses Ereignisses trat die Band erstmals in der Fußgängerzone Holzmindens auf. Weitere Auftritte im Jazz-Club Holzminden folgten, wo die musikalische Heimat der Band ist. In den folgenden Jahren marschierte sie u.a. auch beim Umzug am Tag der Niedersachsen in Wolfsburg und anderen Städten mit.
Beweglich, schwungvoll und von keiner Steckdose abhängig – das ist die Street Band.
Erich Tietzel - Trompete
Ute Gundelach - Posaune
Frank Habermann - Banjo
Thomas „Tony“ Noack - Bass Drum
Wilfried Steinmetz - Klarinette
Gerald „Jacques“ Jakubus - Tuba
Klaus „Mampe“ Pachel - Snare Drum

Der Donnerstag geht weiter mit dem Auftritt des „Saitenmagiers“ Zed Mitchell und seiner Band im Jazzclub.

Zed Mitchell besitzt die Fähigkeit, jede Saite einer Gitarre mit einer persönlichen Note zu spielen. So lässt der Saitenmagier sein Instrument mal rocken, dann virtuos klingen oder melancholische Klangteppiche weben. Wenn Zed Mitchell spielt, erklingt Bluesmusik mit einer inspirierenden Facette.
Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Gitarrist, Sänger und Komponist Zed Mitchell zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Gitarristen in Europa. Seine Lebensgeschichte ist so abwechslungsreich und inspirierend, dass sich manch ein Gitarrenspieler wünscht, eben solch eines führen zu dürfen: Schon immer fasziniert von seinem Instrument, spielte er als Jugendlicher mit einigen, im ehemaligen Jugoslawien recht bekannten Bands auf vielen Bühnen und eignete sich sein bis heute markantes Spiel an.
Dass Zed Mitchell seine eigene musikalische Sprache entwickeln konnte, verdankt er auch den Begegnungen und der Arbeiten an Projekten aus jener Zeit als Studiomusiker. Viele herausragende Produzenten wie Malcolm Luker oder Filmkomponist Nick Glennie- Smith, seinerseits die rechte Hand vom zweifachen Oscar-Gewinner Hans Zimmer, begleiteten ihn auf seinem Weg und führten zu einer steten Weiterentwicklung seines flinken Fingerspiels und der einfühlsamen Art, den Saiten der Gitarre bestimmte, gesetzte Noten zu entlocken. Diese Fähigkeiten wussten Künstler wie Tina Turner, Phil Collins oder auch Pink Floyd sehr für ihre Aufnahmen zu schätzen und auch Eros Ramazotti oder Natalie Cole buchten den Saitenmagier für ihre Studioaufnahmen. Auch deutsche Stars wie Curt Cress, Udo Lindenberg und Leslie Mandoki setzen auf die herausragende Spielweise von Zed Mitchell. Einen seiner größten Erfolge feierte Mitchell schließlich mit dem Münchner Symphonie Orchester, für die er alle akustischen und elektrischen Gitarren einspielte und deren CD sich mehr als eine Millionen Mal verkaufte. Stolz ist er, sich mit seinem Gitarrenspiel auf dem Soundtrack des Blockbusters Indianer Jones verewigt oder auch als Support-Act mit seiner Band für Weltstars wie Joe Cocker, Santana und B.B. King gespielt zu haben.
So wundert es nicht, dass Zed Mitchell bis heute mit seinem Fachwissen und seinem Gespür zu den „Most wanted“ Musikern in Deutschland zählt. Musikliebhaber, Insider und andere Künstler zählen ihn zu der Spitze der Blues-Szene und nennen seinen Namen in einem Atemzug mit Künstlern wie Eric Clapton, Mark Knopfler, Gary Moore oder Robert Cray. Und wer Zed Mitchell einmal mit seiner charmanten Art live erlebt hat, wer den Blues in den von ihm gespielten Noten gehört hat, der weiß auch, warum das so ist.
Einen ersten Eindruck kann man sich unter http://zedmitchell.com/#prettyPhoto oder auf YouTube unter https://www.youtube.com/user/zedmitchell verschaffen.

Der Freitag Abend gehört traditionell der Sleepy Town Jazzband.

Die Sleepy Town Jazzband wurde im Jahre 1986 von Mitgliedern des damals noch jungen Jazz-Club Holzminden e.V. in der fast typischen Dixielandbesetzung gegründet. Der erste Auftritt war der 1.November 1986 anlässlich eines Holzmindener Stadtfestes. Aus dieser ersten Formation sind nach wie vor Roland am Schlagzeug und Wilfried an der Klarinette in der Band aktiv.
Musiziert wird überwiegend NewOrleansJazz/Dixieland mit gelegentlichen Ausflügen Richtung Blues, Folk und Swing. Die Titel sind überwiegend „Headarrangements“ der einzelnen oder aller Musiker, die Soli meist extemporiert. Neue Titel werden ständig eingeübt, sodass das Programm sich häufig ändert und damit spannend bleibt.

Die aktuelle Besetzung besteht aus Roland Berthold (dr), Peter Hein (tp), Georg Heisecke (bj,g,voc), Gerald "Jacques" Jakubus (tu), Wilfried Steinmetz (cl) und Hans Hävker (tb).
Jeder Musiker bringt sich in den typischen Band-Sound ein, tut sich aber auch vielfach solistisch hervor, wie man das vom Dixielandjazz erwarten kann. Die Band ist aus dem öffentlichen Konzertleben schon lange nicht mehr wegzudenken. Gern hört man sie auf regionalen und überregionalen Stadt- Schloss- und anderen Festen und natürlich im eigenen und befreundeten Jazzclubs. Dominante Auftrittsregionen sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Schleswig-Holstein, darüber hinaus sind drei Auslandstourneen nach Winschoten und Groningen (NL), Liberec (CS) und Malmö und Trelleborg in Schweden erwähnenswert.
Standarddaten, die man sich unbedingt im Kalender vormerken sollte sind der 17.Januar eines jeden Jahres und das Jazzfestival im September. Dabei sein macht immer wieder viel Spaß
...und wie sagte ein bekannter Künstler der Region: "Sleepy Town Jazzband certainly wakes you up"

Am Samstag gehört die Bühne des Jazzclubs dann Twana Rhodes & Band.

Klar und kraftvoll ist der Gesang der zurzeit in Berlin lebenden Texanerin; - wandlungsfähig die Stimme, mit der sie hauchzart die Höhen und sonor die Tiefen des Lebens durchdringt. - Ihre großartige Bühnenpräsenz tut ein Übriges dazu.
Twana Rhodes vermag in ihrem Liedern ihr Leben sprechen zu lassen. Was kann reizvoller sein als eine gut erzählte Geschichte, die auf einer mitreißenden Melodie surft, während die Interpretin das, was sie erzählt, praktisch noch einmal durchlebt. So entsteht, was vom Hörer Besitz ergreift und ihn für eine weite Lebensstrecke nicht mehr loslässt.
Zusammen mit ihrer Band teilte sie das Rampenlicht mit Größen wie George Benson und Al Jarreau in der Stuttgarter Jazz Open und gastierte beim renommierten Jazz Baltica Festival.

Twana Rhodes' Musik einem Genre zuzuordnen ist schwer:

Jazz? - Zumindest jazzig.
Pop? Auch. Jemand hat mal Deep Pop dazu gesagt.
Twana arbeitet mit Emotionen, wie es ein Singer/Songwriter tut.

Also von allem etwas und gleichzeitig zwischen allen Stühlen.
Die Live-Konzerte der charismatischen Amerikanerin sind beeindruckend, begeisternd, berührend... auf alle Fälle aber so, dass der Hörer für eine lange Zeit nicht mehr losgelassen wird.
Hörproben zur Einstimmung findet man auf http://www.twana-rhodes.de/music/


Abgeschlossen wird das Festival mit einem Jazz Band Ball im Jazzclub am Sonntag zum Jazzfrühschoppen.

Angekündigt haben sich die Street Band sowie Mitglieder von Incantare Glubczyce. Es ist aber jeder willkommen, der mitmusizieren oder auch nur zuhören möchte – Es ist also „Open Stage“ angesagt.